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KK Team

Das KK-Team

Wir haben etwas Besonderes an unserer Schule: das KK-Team
- Schüler übernehmen Verantwortung -

Unsere Toilettenanlagen sind zum Teil Top, zum Teil im guten Zustand! Das war nicht immer so! Schauen wir mal zurück!

Unsere PUG hat so etwas Ungewöhnliches wie ein KK-Team!

 

Aber was ist das, worum geht es und wie kam es dazu?

 

2003 gab es für die damaligen Schüler der 9.1 mal wieder Stress: zu spät zum Unterricht erschienen! Der Anpfiff durch mich als Klassenlehrerin wurde quittiert mit empörten Äußerungen über den Zustand der und die Zustände auf den Toiletten: Einrichtung defekt, Wände verschmiert, verstopfte Toiletten, verqualmte Räume während der Pausen! "Die Toiletten sind unzumutbar und wenn jemand überhaupt nicht mehr einhalten kann, geht er eben höchstens nach der Pause! Und dann kriegen wir Ärger! Sind Siiieee, sind Sie überhaupt jemals da drin gewesen??" Ich musste gestehen: nein. Aber die jahrelange Erfahrung riet zur Skepsis und so überzeugten ich mich als Lehrerin zusammen mit den Schülern vor Ort: ... die Schüler hatten eindeutig recht! Diese Toiletten hätte ich auch nur im Notfall benutzt! Schnell waren sich alle einig: rummaulen nützt nichts, es muss etwas getan werden!

Sensibilisiert waren eigentlich alle schon: das KidS (Kammer in der Schule) Projekt der Architektenkammer NW war in der Peter-Ustinov-Schule angelaufen und die Schülerinnen und Schüler waren durch das Symbol des PUG aufmerksam gemacht worden auf die schönen, fantasievoll gestalteten, aber auch auf die unattraktiven, schmutzigen Bereiche in unserer Schule. Und dieses Projekt versprach fachkundige Hilfe!

Also entwickelte die Kasse 9.1 aus unserem Anliegen ein Unterrichtsprojekt: eine Bestandsaufnahme des baulichen Zustandes der Toilettenanlagen war der erste Schritt. Schüler listeten alle sichtbaren Mängel auf, hielten sie schriftlich fest. Danach folgte eine Fotodokumentation, die Schüler am PC zu einer Collage zusammenstellten. Ein Architekturbüro half uns, große Poster zu erstellen: diese hingen wir in der Schule aus unter dem Motto: Uns stinkt's! Wir ließen der Stadt Monheim die Ergebnisse unserer Arbeit zukommen, Mängelliste, Bestandsaufnahme, Fotocollage! Eine gewählte Schülerabordnung der 9.1 traf sich mit Vertretern der Stadt und eine Sanierung wurde zugesagt - die Mittel waren schon bereitgestellt!

Die Stadt erklärte sich einverstanden, auf Schülerwünsche bei der geplanten Sanierung einzugehen.

Mit großem Einsatz wurde sich an die Arbeit gemacht. Ideen wurden entworfen und verworfen, es durfte geträumt werden, gefordert werden - aber was war möglich?

Hilfe kam durch eine Innenarchitektin und Fachfrau, die im Rahmen des KidS Projekts unserer Schule als Ansprechpartnerin zur Verfügung stand. Wir verabredeten uns im Klassenraum der 9.1 und stellten unser Anliegen vor. Die Architektin stand mit Rat und Tat zu Seite: sie erklärte, wie man Räume aufmisst (niemand hätte es für möglich gehalten, dass es ein so schwieriges Unterfangen ist!) und half uns maßstabgerecht einen Plan anzufertigen. Sie zeigte uns Möglichkeiten auf, Modelle zu erstellen, um Vorstellungen räumlich umsetzen zu können. Schülerinnen und Schüler waren interessiert und fasziniert von Gestaltungsmöglichkeiten: Die Innenarchitektin hatte Fachzeitschriften und Fachliteratur über sanitäre Einrichtungen mitgebracht und die Schüler staunten nicht schlecht über die gestalterische Vielfalt der Möglichkeiten an Farben, Formen, Materialien! Das eröffnete so manchem ganz neue Perspektiven! Es gab reichlich Diskussionen unter den Schüler, was "echt klasse" aussieht und was "total daneben" ist.

Natürlich war uns allen klar, dass der pure Luxus nicht Maßstab für unsere Pläne sein konnte! Aber wir bekamen Anregungen, Tipps für eine mögliche Farbauswahl der Wände, Abtrennungen, Sanitäreinrichtungen und andere wertvolle Ratschläge. Ohne fachkundige Hilfe hätten wir nicht eine so starke Argumentationsgrundlage unserer Wünsche gegenüber der Stadt gehabt. Die Schüler wünschten sich z.B. sehnlichst eine durchgehende Spiegelleiste über den Waschbecken. Sie sahen natürlich zum einen die Chance, in den Pausen eingehend das Outfit überprüfen zu können, zum anderen argumentierten sie, würde das den Raum so schön groß erscheinen lassen! Das Argument unserer Innenarchitektin, dass verspiegelte Flächen Übeltäter erfahrungsgemäß davon abhalten zu zerstören oder zu verunstalten, da sie sich dabei im Spiegel zuschauen müssten, mag dazu beigetragen haben, dass unsere Toiletten heute Spiegelleisten haben, obwohl die Stadt wegen der hohen Anschaffungskosten davon absehen wollte.

Heute sind die sanierten und neu gestalteten Toilettenanlagen fertig gestellt - die Wünsche und Vorschläge der damaligen 9.1 wurden weitgehend berücksichtigt und die Schüler waren stolz und glücklich!

Natürlich standen jetzt andere Probleme an: wie schaffen wir es, die Toiletten in diesem Top-Zustand zu belassen?

Aber auch dieser Aufgabe haben wir uns angenommen: nach Fertigstellung der sanierten Toiletten haben wir ein KK-Team gegründet: nach einem festen Plan leisten ausgesuchte Schülerinnen und Schüler freiwillig jede Pause einen Dienst (an 2 Tagen in der Woche), der darauf achtet, dass in den Toiletten nichts beschädigt wird. Sie helfen in Ordnung zu halten, was Schüler mit gestaltet haben. 3-4-mal trifft sich das Team im Schuljahr um auszutauschen, was gut läuft und wo es eventuell Probleme gibt. Allen im Team engagierter Schülern winkt zum Schuljahresabschluss ein freier Schultag mit einem gemeinsamen Programm, z. B. ein Besuch im Phantasialand, der in diesem Jahr durch eine großzügige Spende des Fördervereins der PUG unterstützt wurde..

So haben wir es bis heute an unserer Schule geschafft, dass Schüler eigenverantwortlich einen Bereich ihres Umfeldes mit gestalten und helfen, diesen in Ordnung zu halten. Wie ich finde, eine ganz wichtige Erfahrung, die Schule leisten sollte und auch kann.

Das ist die Geschichte über das Zustandekommen des KK- Teams! Noch heute – 7 Jahre später – finden sich jedes Jahr engagierte Schülerteams, die jeweils zu zweit in den 3 verschiedenen Toilettenanlagen unserer Schule nach dem Rechten sehen – je ein Jungen- und ein Mädchenteam. Dies geschieht absolut freiwillig und ich als betreuende Lehrerin freue mich jedes Jahr, dass sich immer mehr Teams melden als ich einsetzen kann. Das spricht eindeutig für unsere Schüler!

Es ist nicht so, dass alles reibungslos verläuft, es gibt natürlich auch Probleme: da gibt es Schüler, die nutzen die Toiletten als Aufenthaltsraum zum Austausch von Neuigkeiten und Schminktipps, als Proberaum für das auf dem Schulgelände verbotenen Rauchen…die Schüler könnten diese Liste mit Sicherheit beliebig erweitern! Da gibt es auch Kollegen, die es nicht schaffen pünktlich zur Aufsicht zu erscheinen, um die Toiletten aufzuschließen, weil sie vorher Unterricht in einem entlegenen Gebäudetrakt hatten, Materialien noch wegräumen müssen, noch Schülergespräche führen und so Probleme haben, rechtzeitig am Aufsichtsort zu sein. Aber wir haben eben dieses KK-Team, das sich zu helfen weiß. So werden Missstände weitergegeben, Dinge zur Sprache gebracht, die einfach nicht gut laufen. Es ist nicht Aufgabe der Schüler, die Position von Lehrern zu übernehmen, Strafen oder Verweise auszuteilen, Verunreinigungen zu beseitigen…! Sie sorgen dafür, von Schüler zu Schüler unangemessenes Verhalten anzusprechen und zu versuchen,Mitschüler zur Einsicht zu bringen. Ist dieses ohne Erfolg, benachrichtigen sie die zuständige aufsichtführende Lehrkraft.

Ich arbeite gerne an einer Schule, die versucht, ihren Schulalltag selbstverantwortlich zu gestalten. So wie die Streitschlichtung dazu beiträgt, das respektvolle Miteinander zu praktizieren, ist auch die Arbeit des KK- Teams ein Baustein dafür, Schüler in die Verantwortung mit einzubinden, um Schule als einen Ort zu erleben, wo Eigenverantwortung gestärkt wird und man sich wohlfühlen kann.

Es gibt viel zu tun – wir arbeiten weiter gemeinsam dran!!

Copyright: Peter-Ustinov-Gesamtschule Falkenstraße 8 40789 Monheim am Rhein